Ganz alltägliche Situationen…

Im betrieblichen Alltag und auch bei Begehungen oder Audits gibt es immer wieder Situationen, in denen Kollegen bei der Arbeit beobachtet oder befragt werden. In der Regel bleibt es nicht aus, dass der jeweilige „Besucher“ etwas sieht oder hört, dass nicht gefällt: Es wirkt gefährlich oder riskant, entspricht nicht den Vorschriften oder einer geltenden Anweisung.[

So oder ähnlich könnte der dazugehörige Dialog verlaufen:

Szenario 1

X: „Wieso schaltest du bei der Sichtkontrolle die Hilfsleuchte nicht an? Du weißt doch, dass das in der Anweisung steht…“
Z: „Ja, aber..“
X: „Das ist genauso unterwiesen – halt dich doch daran!“
Z: „Na gut – brummel..“

Szenario 2 – z.B. mit einem Auditteam (A: Auditor, MA: Mitarbeiterin):

A1: „Die Werkzeuge, die Sie für diesen Arbeitsgang benutzen, liegen hier ganz schön durcheinander…“
MA: „Das brauche ich so, ….“
A2: „Ja, nach Ordnung und Sauberkeit sieht das nicht aus. Ich würde vorschlagen, Sie schaffen sich eine feste Ordnung, wo jedes Werkzeug seinen Platz hat. Da müssen Sie auch nicht mehr lange suchen..“
MA: „Aber, ich…“
A1: unterbricht den MA „Genau. Es gibt da einen Wandhalterungslösung bei Firma XY, die habe ich gestern erst in einem anderen Bereich gesehen habe. Hier ist ja noch Platz – das ließe sich ganz individuell anpassen…“
A2: „Ja, ich schreib das mal auf. Wichtig zu klären ist auch, welches Material sie hier verwenden -Metall oder Kunststoff. Letzteres ist sicher günstiger…“
A1: „Bei den Kollegen an der Donau haben sie so eine Halterung sogar selbst gebaut – warten Sie, vielleicht können sie dazu den Herrn XX mal anrufen!“
MA: „ Ja, hmm…“
A2: „Ja, dann hätten wir das – vielen Dank für das Gespräch und frohes Schaffen noch.“
MA: mit ratloser Miene „Wiedersehen“

Es geht auch ganz kurz – Szenario 3:

„Nimm gefälligst die rote Tonne, wenn du Öl-Lappen wegschmeißt. Du weißt genau, dass die nicht in den normalen Müll gehören!“

Was denken Sie: Wird sich etwas ändern?

Was kommt an?

Entscheidend ist hier – Sie ahnen es schon – die Kommunikation! Und die besteht bekanntlich nicht nur aus dem SENDER, sondern auch dem EMPFÄNGER:

  • Nimmt der Angesprochene die Information überhaupt an und auf?
    (Manche Umstände lenken ab und es soll ja Menschen geben, denen hört man gar nicht mehr zu…)
  • Versteht er, worum es geht und was der Besucher bezweckt?
    (Wie viele Worte werden “spendiert”, das Motiv des Beobachters zu klären und ggf. Sinn und Nutzen der Vorgabe zu verdeutlichen?)
  • Sieht er oder sie ein, dass hier Verhaltensänderung nötig und möglich ist?
    (Jeder Mensch hat eine ganz eigene Wahrnehmung und interpretiert Situationen auf der Basis eigener Erfahrungen..)

Oft hört man in der Führungspraxis den Ausspruch: „Den/die Kollegen in´Boot holen.” “…da mitnehmen, wo sie stehen..“ Manche sprechen hier auch von „Anschlussfähigkeit“. Die habe ich als Besucher eben nicht nur, wenn sich mir jemand zuwendet und für einen kurzen Moment zuhört..[/vc_column_text]

Mit im Boot? – Anschlussfähig ist anders..

Eine solche Anschlussfähigkeit muss über das gesamte Gespräch bis hin zur Lösung reichen. Schließlich soll sich etwas ändern – und am besten mit oder durch den Angesprochenen.

Dabei ist es nicht nur hilfreich, den Kollegen „mit in´s Boot zu holen“. Die gemeinsame Reise geht über verschiedenen Etappen und da ist es ebenso wichtig, dass er unterwegs nicht aussteigt. Das ist u.a. auf folgenden Teilstrecken möglich:

  • Auf dem Teilstück der Problembetrachtung: „ICH hab kein Problem.“
  • Auf dem Teilstück der Problembewertung: „So wichtig ist das aber wirklich nicht!“ „Ich habe Wichtigeres zu tun!“
  • Auf dem Teilstück generellen Lösungsmöglichkeiten: „Da lässt sich nichts machen.“ „Das hat keinen Zweck.“ „Haben wir alles schon versucht..“
  • Auf dem Teilstück des eigenen Engagements: „Das kann ich nicht.“ „Das schaff ich nicht.“

Es gibt also genügend Möglichkeiten, gar nicht ein- oder frühzeitig wieder auszusteigen.
Um gemeinsam (und trocken 😉 an´s Ziel zu kommen, braucht es also Bereitschaft, Raum und Zeit, das Gegenüber zu Wort kommen zu lassen. Es könnten sich völlig neue Perspektiven ergeben…

Links & Verweise

Die  Grundidee zu diesem Beitrag kommt u.a. von hier:  Caspari, Sabine; Schmid, Bernd (1998): „Ebenen der Wirklichkeitsbegegnung“. Nr. 29 im Schriftenverzeichnis des Instituts für Systemische Professionalität, Wiesloch 1998, Modifiziert 2016

Hier ein ähnlicher Beitrag, in dem das Modell als “Verständnistreppe” auch grafisch dargestellt ist: Differenzen im Audit? – Stufe für Stufe Richtung Lösung auf der Verständnistreppe!

Bilder-Nachweis

Megafon von Gerd Altmann (Pixabay)
Minions von Leonardo Valente (Pixabay)
Rafting von Sebastian del Val  (Pixabay)