Der Tag quillt über von Aufgaben. Ein Termin jagt den nächsten. Schon wieder steht ein Kollege mit einem äußerst dringenden Anliegen vor der Tür und die unbearbeitete Post blockiert das Postfach und vagabundiert von einer Warteposition auf die nächste…

Die eigene Zeit wirkungsvoll UND “energieeffizient” zu verwalten, ist für Viele täglich neue Herausforderung. Spätestens, wenn die “Batterien” leer sind, braucht es einen Plan. Hier sind nicht nur Tools und Techniken für Zeit- und Selbstmanagement gefragt. Hier hilft ein Blick nach innen: auf die “under cover” agierenden Stimmen, die unser Verhalten unbewusst steuern. Sie verführen uns, Dinge zu tun, die wir bei näherer Betrachtung gar nicht gut finden…

“Nein sagen” erlaubt? – Klar in der Rolle

Um einen übervollen Alltag zu überleben, braucht es effiziente Strategien. Allerdings scheint das wirkungsvollste Werkzeug hier auch am wirkungsvollsten ausgebremst zu sein: “Nein sagen” ist für viele Fach- und Führungskräfte quasi ein Tabu – oft sogar unbewusst…

Natürlich muss ich als Fach- und Führungskraft klar differenzieren, über welche “Dienstleistungen” ich meine Rolle ausfülle, als Stab gegenüber der Linie und als ggf. auch als Chef gegenüber meiner Stabs-Mitarbeiter und -kollegen.
Als Experten-Stab kann ich z.B. auf der einen Seite

  • beraten und unterstützen im Sinne von wirkungsvoll zu Umsetzung befähigen und auf der anderen Seite
  • übermäßig Hilfe leisten, die das Gegenüber auf den ersten Blick (von Aufgaben und Verantwortung) entlastet, ggf. aber auch entmündigt („das kann ich besser“) und zur „erlernten Hilflosigkeit“ und zum Zurückdelegieren ermutigt.

Hier einen klaren Standpunkt zu haben, zu vertreten und konsequent zu leben, ist wichtige Ausgangsbasis.
Denn wie in jeder Zusammenarbeit werden Grenzen immer wieder ausgetestet und verschoben. Schließlich hat jedeR individuelle Bedürfnisse und Erwartungen. Diese „Rollen-Spiele“ greife ich im nächsten Blog-Artikel auf.[/vc_column_text]

Mitspieler, die im Verborgenen wirken

Allerdings gibt es eben nicht nur äußere „Mitspieler“ in diese Balance-Act. Auch innere, ganz persönliche und individuelle Player mischen mit: Innere Stimmen, die mich unbewusst zu quasi automatischen Reaktionen “antreiben”.

Gemeint sind die sogenannten “Inneren Antreiber”. Diese eingebürgerten Gesellen erwachsen aus Lebens- und Lernerfahrungen – meist aus der Kindheit. Was sich damals als Verhaltensmuster bewährt hat, bleibt oft unhinterfragt bestehen und steuert auch das erwachsene Verhalten “under cover” mit. Diese unbewussten Plagegeister heißen: “Sei stark”, “sei perfekt”, “sei schnell”, “mach es allen recht”, “streng dich an”.

Mein besonders ausgeprägter, persönlicher Plagegeist ist z.B. “sei perfekt” – schließlich gibt es immer etwas zu verbessern!  Dummerweise lenkt das von Wichtigerem ab. Von Pareto hat der noch gehört…

 

Die inneren Antreiber enttarnen

Wirkungsvoll verbessern kann man die Zusammenarbeit mit diesem Undercover-Team, indem man es schlicht einmal kennenlernt: Zum Beispiel durch eine spontane Einschätzung, wie Einfluss- und Machtverhältnisse  zwischen den 5 Kollegen aufgeteilt sind (z.B. als Balkendiagramm). Etwas systematischer gestaltet sich der Annäherungsprozess durch den sogenanten “Antreibertest” (Linktipps siehe unten).

Verhandlung mal anders

Ist das Team mit Einfluss und Stimmverteilung dann erst einmal “aufgedeckt”, kann auch offen hinterfragt und verhandelt werde, beispielsweise in der Art:

  • Muss ich es wirklich allen recht machen? Wie sind meine eigenen Bedürfnisse? Was ist im Sinne des Unternehmens?
    Macht es nicht viel mehr Sinn, eine klare Position auf eindeutige und faire Weise überzeugend zu vertreten und zu leben?
  • Muss ich wirklich schnell sein? Was kann ich erreichen, wenn ich mir Zeit nehme? Ist es ggf. sinnvoller, mir die Zeit zu nehmen, meine Entscheidung (z.B. Nein zu sagen) nachvollziehbar darzulegen? Fällt es dann dem Gegenüber leichter, die sachlichen Gründe zu verstehen und zu respektieren und das Ganze nicht persönlich zu nehmen?…

In diesen Beispielen sind sowohl das Teammitglied “mach es allen recht” wie im zweiten Beispiel auch „mach schnell“ involviert. Gesprächspartner und Verhandlungsstrategie sind natürlich ganz individuell. Das Ziel bleibt allerdings immer dasselbe: das eigene Verhalten selbst (und) bewusster zu steuern.

Dazu muss ich dem Undercover-Team Aufmerksamkeit widmen. Soviel Zeit muss sein!  Antreiber sind halt auch nur Menschen… 😉

Links & Verweise

Neben diversen Quellen im Internet zu diesem Thema aus der Transaktionsanalyse (TA) findet sich eine ausführliche Erläuterung der Antreiber und auch der entsprechende Antreiber-Test in diesem schon etwas älteren Skript:

https://ekkt.ekir.de/fileadmin/user_upload/gemeinden/trier/antreiber.pdf

Wunderbare Cartoons und weitere Hinweise und Tipps zum Thema Zeit- und Selbstmanagement finden sich u.a. hier:
https://www.simplify.de/zeit/selbstmanagement/artikel/simplify-selbstmanagementnbspentlarven-sie-ihre-ungesunden-kindheitsmuster/

http://www.simplify.de/die-themen/zeit/ (Werner Tiki Küstenmacher)
http://www.zeitblueten.com/zeitmanagement/

Bilder-Nachweis

  • die Antreiber sind abgemalte Eigenproduktion
  • alle übrigen Bilder sind von Pixabay