Worum geht´s?
Was deine täglichen Rollenkonflikte mit Erwartungen und Einfluss zu tun haben
In dieser Folge nehme ich dich mit in eine Situation, die fast alle internen Expert:innen kennen: Alle wollen etwas von dir – Geschäftsführung, Bereichsleitungen, Teams, Auditor:innen – und nicht das Gleiche.
Ach ja: und du selbst hast dir ja auch einiges vorgenommen. Es zieht und drückt also von allen Seiten. In meinen Coachings und Trainings wird daraus oft der Satz: „Ich sitze zwischen allen Stühlen.“
Was kennzeichnet diesen Zustand – und wie kommst du da wieder raus?
Antworten finden wir im Feld der Rolle, verstanden als Bündel von Erwartungen – von außen und aus dir selbst. Genau dieses Bündel öffnet Spannungen und Rollenkonflikten Tür und Tor. Warum das so und ganz normal ist und wie sich darin orientieren lässt, erfährt du durch eine kleine Reflexionsreise in drei Etappen:
- Zunächst sortierst du deine wichtigsten „Stühle“ (man könnte sie auch Stakeholder nennen) im Fadenkreuz von Interesse und Einfluss.
- Dann zoomst du bei einem dieser Stühle näher ran und schaust genauer auf die wechselseitigen Erwartungen.
- Zum Schluss richtest du den Blick auf deinen eigenen Rollenauftrag und darauf, wo du im Alltag vielleicht über ihn hinausgehst.
So wird aus dem diffusen Gefühl „Ich sitze zwischen allen Stühlen“ nach und nach ein klareres Bild: Wer zieht wo an dir – und wo entstehen die Spannungen, die dich im Alltag Kraft kosten.
Schlaglichter
Rollen sind Bündel von Erwartungen
.. und jede Person in deinem Unternehmen hat ein eigenes Bündel davon. Was die Geschäftsführung von dir erwartet, passt selten zu dem, was Betriebsleiter*innen brauchen. Und externe Normen interessieren sich herzlich wenig für pragmatische Alltagslösungen. Kein Wunder also, dass du dich manchmal wie „voll zwischen den Stühlen“ fühlst.
Fünf Stühle, fünf Logiken
Geschäftsführung (Hebel + Strategie), operative Führungskräfte (Zeitdruck + Stabilität), Mitarbeitende (Alltagstauglichkeit), externe Anforderungen (Verbindlichkeit) und du selbst (fachlicher Anspruch + Werte). Diese Stühle haben unterschiedliche Interessen und Einfluss – und genau da liegt das Spannungsfeld.
Aufgeschrieben heißt noch lange nicht „klar“
Auch wenn es Funktionsbeschreibungen gibt – was wirklich zählt, ist das, was im Kopf deines Gegenübers ist. Und das kann ganz schön weit von den dokumentierten Idealen in den offiziellen Vorgabe-Dokumenten entfernt sein.
Dein eigener Stuhl zählt auch
Oft vergessen wir, dass wir selbst Teil dieser Stuhllandschaft sind – mit eigenen Ansprüchen, Motiven und der gefühlten Verantwortung, das Thema wirksam umzusetzen.
Drei Schritte, 3 Tools zur besseren Orientierung in Rollenkonflikten
- Stuhllandkarte
- Erwartungs-Canvas sowie
- Rollenanker
1. Erstelle deine Stuhllandkarte 
Nimm dir 10 Minuten und ein Blatt Papier. Zeichne ein Koordinatenkreuz:
- waagerecht = Einfluss (wenig ← → viel),
- senkrecht = Interesse an deiner Arbeit (wenig ← → viel).
Platziere die fünf Stühle (GF, Führungskräfte, Mitarbeitende, Externe, du selbst) im Koordinatensystem. Schau dir das Gesamtbild an: Wo ist der Druck? Wo fehlt Interesse? Wo hast du Verbündete?
2. Wähle einen Stuhl und fülle das Erwartungs-Canvas aus 
Nimm den Stuhl, bei dem du die größte Spannung spürst. Zeichne vier Felder und beantworte die Fragen:
- Was denkt X, was ich tue? (z.B. „kümmert sich ums Zertifikat“)
- Was will X von mir? (z.B. „keine negativen Überraschungen“)
- Was brauche ich von X? (z.B. „klare Prioritäten, sichtbare Rückendeckung“)
- Wo entsteht die Spannung? (z.B. „Unterstützung nur in Worten, nicht in Meetings“)
3. Mach den Rollenanker-Check 
Liste auf, was du in der letzten Woche getan hast (Meetings, Mails, Ad-hoc-Aktionen).
Sortiere in drei Gruppen:
A: Gehört klar zu meinem Rollenauftrag (z.B. Risikoanalyse, Auditplanung)
B: Mache ich aus Gefälligkeit/Feuerwehr-Modus (z.B. „schnell noch die Präsentation für XY fertigmachen“)
C: Unentschieden/gemischt
Schau dir das Verhältnis an: Wo verbringst du die meiste Zeit? Wenn Gruppe B überwiegt, ist es Zeit für klarere Grenzen.
Ansatzpunkte für die betriebliche Praxis
Zum Mitnehmen (kleine Erinnerungshilfe)
Für alle, die sich seltener auf LINKEDIN bewegen:
das Thema zusammengefasst mit Auslösern, Ansatzpunkten und Reflexions-Merkhilfe im Slider.
und hier auch der LINKEDIN-Beitrag als Kontext dazu…
Zum Weiterlesen, -hören und vertiefen (Links & Verweise)
Das ausführliche Selbst-Coaching-/Reflexions-Hilfe zum freien Download
3 Reflexionsschritte für mehr Rollenklarheit
Bilder-Nachweis
@ Bildhintergrund von mir und ChatGBT
@ Grafik von Napkin
Ein passender Podcast
Die Fachkraft als Feuerwehr – Wie eine Rolle zur Heldenfalle wird (Podcast 19)
Passende Blog-Beiträge
– Nicht meine Verantwortung! – Besser zusammenarbeiten mit Rollenklärung
– I do it my way!? – Wie gross ist die Rollen-Freiheit der fachlichen Stäbe?
Quellen und Bücher
Die „Erwartungsbündel“ finden sich u.a. bei
– Kühl, Stefan: Aus der Rolle gefallen. Personalmagazin (12): 85-86. 2019 (Download über die Uni Bielefeld)
– DGQ-Impulspapier von mir zum Fokus Mensch in Managementsystemen: (2022): Voll „von der Rolle“?

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