Wie ein modernes Audit gelebte Werte sichtbar macht

Kultur ist nichts, was im Intranet steht. Kultur ist das, was sich im Alltag durchsetzt – besonders dann, wenn Tempo und Druck steigen.

Dass ein solcher Nutzen sogar preisverdächtig ist, hat Tom Rittel kürzlich erfahren können.

Tom ist Operational Excellence Manager (und interner Experte und Ansprechpartner u.a. für Qualitätsmanagement) in einem jungen Tech-Unternehmen und hat hier ausgerechnet die internen Audits als Plattform genutzt, um Kulturentwicklung voranzubringen.

Mit ihm spreche ich u.a. darüber …

  • wie er „Kultur“ so konkret macht, dass sie im Alltag besprechbar wird
  • wie Werte in Auditgesprächen auftauchen können, ohne dass sich Menschen bewertet fühlen
  • was Audits brauchen, damit sie als Lern- und Reflexionsraum funktionieren (statt als Kontrollritual) und
  • welche Rolle KI-Agenten dabei spielen können – und wo menschliches Urteilsvermögen unverhandelbar bleibt.

In jedem Fall ist am Ende sehr deutlich, warum Tom „quality with heart“ lebt und keine  Norm-Keule braucht…

Herzlich willkommen auf meiner Ton-Bühne:

Tom Rittel

  • Einstieg in die Qualitätskarriere als Qualitätsprüfer und später Teamleiter Qualitätskontrolle bei BASF – insgesamt rund sechs Jahre in der chemischen Industrie.
  • Anschließend Mitarbeiter Qualitätssicherung bei DOYMA: strategische Integration von Qualität in die Produktentwicklung, interne Audits und Lieferantenaudits.
  • Seit knapp drei Jahren bei der chargecloud GmbH (E-Mobility-Software, Köln) – zunächst als Qualitäts- und Prozessmanager, seit Mitte 2024 als Operational Excellence Manager:
    Aufbau eines OPEX-Frameworks, crossfunktionale Projekte an der Schnittstelle von QM, Prozessen, Organisationsentwicklung und Leadership Development.
  • Selbstständiger Berater und Trainer unter dem Label Quality Monday: Beratung und Training für Unternehmen jeder Größe – mit Fokus auf QM & ISO 9001, schlanke Prozessstrukturen sowie Automatisierung und KI im Qualitätsmanagement.
  • Aktiv in der DGQ-Community; entwickelt Trainings zu KI-gestütztem Auditieren u. a. bei der DGQ und der BMCS Academy.
  • Tom hat eine ausgeprägte Schwäche für Wortspiele – manchmal zur Begeisterung seiner Kunden, gelegentlich auf Kosten der Geduld seiner Frau. Aus diesem Grund präferiert er nicht nur „Quality with Heart“. In seinem LinkedIn-Newsletter bringt er sogar „Qualität“ und „Montag“ zusammen…

Einige Schwerpunkte – zumindest die Wesentlichen

  • Wie sah die Ausgangslage bei der chargecloud aus – und was war an der grünen Wiese besonders reizvoll?
  • Was bedeutet „alltagstaugliches Managementsystem“ konkret, und wie unterscheidet es sich vom klassischen, normorientierten Aufbau?
  • Wie hat Tom die Organisation in einer Hyper-Growth-Phase für Prozessmanagement gewonnen – ohne die „ISO-Keule“?
  • Was genau war das „Quality Champion Award“-Projekt – und warum ging’s ihm um Qualitätskultur statt „nur Systeme“?
  • Wie lassen sich neue Unternehmenswerte gezielt ins Auditprogramm integrieren – und was löst das bei den Menschen aus?
  • Was steckt hinter dem Quality-Score – und warum ist Gamification keine Spielerei, sondern ein ernsthaftes Motivationsinstrument?
  • Welche zwei Abschlussfragen machen aus einer Audit-Nachbesprechung ein echtes Reflexionsgespräch?
  • Wo genau hilft KI (Agent) in Audit-Vorbereitung und -Nachbereitung – und welche Risiken muss man im Blick behalten?

Be-Merkenswertes aus dem Gespräch

  • Qualität war in der chargecloud GmbH kulturell bereits vorhanden – als gelebte Haltung. Für Tom ein wertvoller Ausgangspunkt und keine Selbstverständlichkeit. Die Menschen handelten nicht, weil QM es verlangte, sondern weil es Sinn ergab.
  • Die größte Akzeptanzhürde für Prozessmanagement war nicht Unwilligkeit, sondern schlicht zu wenig Zeit: „Wir wollen gerne mitmachen, aber wir können gerade nicht.“ Das ist ein wichtiger Unterschied für alle, die Veränderungsprojekte in schnell wachsenden Unternehmen begleiten.
  • Interne Audits wurden 2025 auf 26 Gespräche verdoppelt – und um gezielte Kultur- und Wertefragen erweitert.
  • Die Antworten der Mitarbeitenden waren dabei überraschend konkret und individuell, je nach Arbeitskontext. So wurde sichtbar und gestärkt, was schon da war.
  • Werte wie „Let’s spark joy together“ oder „Clear Path, Full Charge“ sind nicht nur Sprüche, sondern Andockpunkte für konkrete Zusammenarbeit (Transparenz, offen kommunizieren, gemeinsam effizient voran).
  • Der Wert „Clear Path, Full Charge“ (klarer Weg, volle Fahrt voraus) erwies sich als besonders anschlussfähig ans Qualitätsmanagement: Transparenz über Abläufe und gemeinsame Richtung sind genau das, was ein gutes Managementsystem leisten soll.
  • Wenn ein Prozess in der Realität nicht mehr funktioniert, greift bei der chargecloud GmbH ein kultureller Reflex: Ego beiseitelegen und fragen, was jetzt für die Kunden oder die Organisation sinnvoll ist. Das ist nicht selbstverständlich – und kein Prozess kann das ersetzen.
  • Augenhöhe entsteht durch Design-Details: z. B. eine Einladung, die Druck rausnimmt („nichts vorbereiten“), eine Eröffnung mit Transparenz („warum sind wir heute hier“), und am Ende zwei Fragen: „Wie war’s für dich?“ und „Was nimmst du fachlich mit?“
  • KI als Hebel: Tom nutzt KI-Agenten für Analyse/Zusammenfassung von Prozessdoku (Vorbereitung) und für standardisierte Berichtserstellung (Nachbereitung).
    So wird möglich: Audits vormittags, Nachbesprechung am selben Tag – damit alles noch „frisch“ ist.
  • 90 % der Auditierten gaben Feedback; das Ergebnis war eine Durchschnittsbewertung von 4,8 von 5 Sternen.
  • Ein Bereich bat ausdrücklich darum, nicht aus dem Auditprogramm herausgenommen zu werden – obwohl Tom das als Entlastung angeboten hatte. Der Grund: die dritte Perspektive und der Reflexionsrahmen wurden als eigenständiger Wert erlebt.

Von Tom auf den Punkt gebracht (O-Ton)

  • „Ich wollte eigentlich gar nicht, dass den Leuten bewusst ist: Das passiert jetzt, weil QM das sagt – sondern: Das passiert, weil das Sinn macht.“
  • „Der Fokus: Ein Managementsystem so zu gestalten, die Menschen zu befähigen – statt Qualitätsmanagement zu verwalten.“
  • KI im Audit: „Es ersetzt nicht den Auditor – es schafft nur, dass gute Auditoren noch besser werden und mehr Zeit für das eigentliche Wesentliche bekommen: für das Auditgespräch, für den Mensch-zu-Mensch-Austausch.“

Links & Verweise

  • Tom Rittel auf LinkedIn
  • Website der chargecloud GmbH
  • Quality Monday (Tom´s Website)
    mit seinem ganz persönlichen Ansatz: „Quality with Heart“ – verständlich, menschlich und wirksam. Und wo immer möglich: „Automate the Boring“ – Routinen automatisieren, damit Menschen sich auf das konzentrieren können, was wirklich zählt.
  • Unter gleichem Namen (Quality Monday) erscheint monatlich auch Tom´s Newsletter bei Linkedin.
    Wie kommt´s zu diesem Namen? QM – das Kürzel für Qualitätsmanagement – trifft auf den Montag, weil: Auch im QM darf die Woche mit einem positiven Impuls starten.
  • Quality Austria (Veranstalter des Quality Champion Awards)
  • BMCS Academy (Tom´s KI Kurse)
  • Übrigens: Tom hat kürzlich auch im DGQ-Podcast gute 25 Minuten über seine Audits gesprochen. Ich hab ihn mir angehört und viele Inhalte wiederholen sich in unserem Gespräch (ich war eine Woche später dran 😉
    An manchen Punkten nehmen wir uns etwas mehr Zeit (und ich kommentiere natürlich auch wieder hemmungslos – im Gegensatz zu meiner geschätzten Kollegin Natalie Rittgasser… ).

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